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Komischi Zite

Liebe Leserinnen und Leser, eigentlich gibt es nicht so viel zu schreiben, es läuft ja momentan vieles anders als gewöhnlich – und vor allem läuft weniger. Das wissen Sie selbst genauso gut wie ich! Klar, die Wintersaison nahm ein abruptes Ende und etliche Anlässe und Gruppenevents fallen ins Wasser, aber es gibt auch positive Seiten. Doch auch über diese wurde bereits vieles geschrieben.

Wir geniessen das Privileg, dass wir auf der Site Alp immer etwas zu werkeln haben und momentan sind wir da oben tagsüber ganz für uns allein – das kam schon länger nicht mehr vor! Ein «Mittagsnuck» im Liegestuhl auf der Terrasse liegt auch drin, und zwar ohne das Gefühl von allen Seiten beobachtet zu werden. Und wenn jemand von uns schreit, dann nur weil das freche und rasend schnelle «Wieseli» uns wieder mal erschreckt hat. Sein Fell ist jetzt wieder braun. Es geht uns also gut.

Aber vieles fehlt. Ein Witz hier, ein Spruch da. Die Grosseltern, die Familie, die Freunde. Das unkomplizierte Zusammensein. Das ständige Kommen und Gehen. Ein aufmunternder oder ein anerkennender Blick. Ein Lächeln, wenn man sich sympathisch ist. Eine Umarmung im richtigen Augenblick. Ein spannendes Gespräch mit Augenkontakt, und zwar ohne insgeheim den Abstand abzuschätzen. Die gemütliche Runde mit dem Team. Die Unbeschwertheit im Umgang miteinander. Das Spontane.

Nun, es ist wie es ist und wir tanken nun die Batterien auf. Denn das wuselige Durcheinander, das ich jetzt beginne zu vermissen, kann auch ab und an zu viel sein. So bleiben wir doch einfach alle möglichst positiv eingestellt, was bleibt auch anderes übrig?!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich in diesen Tagen nicht sehr einsam fühlen, sondern dass jemand in der Nähe ist, der Ihnen ab und an ein herzliches Lachen zu entreissen vermag.

Machen Sie es gut! Herzliche Grüsse, Nadja Santschi

Ä nassi Aglägeheit

Es ist immer dasselbe. Man weiss, dass der Regen kommen und die schöne Winterlandschaft zerstören wird. Und doch, wenn es dann eintrifft, ist es einfach schrecklich. Da gibt es nur ein Trost: Daran denken, wie sehr man sich den Regen im Sommer gewünscht hat!

Zum Glück folgte bis jetzt in diesem Winter auf die nassen Tage immer wieder etwas Schnee. Auch wenn es noch Wassergraben und allerlei Löcher hat, so sieht es doch wieder weiss aus. Ah, welche Wohltat!

Und erst die vielen Sonnentage, die wir geniessen durften! Den Morgenkaffee auf der Terrasse zu trinken macht einfach mehr Spass. Wenn nur die Treppe nicht wäre… Zugegeben, es fiel mir auch schon leichter, Tableaus voller Getränke vom Buffet auf die Terrasse zu tragen. Was wohl eher nicht am allgemeinen Fitnessstand liegt, sondern viel mehr daran, dass die nächste Generation auch mitgetragen wird - zum einen auf dem Arm und zum anderen im Bauch. So schnaufe ich halt wie eine Dampflock und überlasse das Treppensteigen «hüür» wenn’s geht gerne unseren ultrafitten Angestellten!

Klar, in diesem Jahr haben wir schon öfters zueinander gesagt: «Es könnte von den Verhältnissen her gut auch Ende März sein.» So ist es naheliegend, dass die Gedanken manchmal bis zur Sommersaison reichen. Wer hat wie viele Kühe zu sömmern und wie viele Rinder? Wie viele Kasein-Marken für den Käse haben wir jeweils bestellt?

Für einmal sind wir in diesem Jahr in der komfortablen Lage und brauchen keine Stelleninserate mehr zu schalten, da die Mitälpler schon gefunden sind. Welch herrliches Gefühl!

Aber ja, wer weiss, was noch alles passiert bis zum Sommerstart… Hoffen wir doch jetzt erst mal noch auf ein paar großartige Wintertage – möglichst bei knackig, kalten Minustemperaturen.

Liebe Grüsse

Nadja 

Grosse kleine Abenteuer

Lange sind meine letzten Zeilen her und ich merke, dass es mir Mühe macht, irgendwie anzufangen. Ich weiss ja schon, was ich schreiben möchte, aber es geht nicht von selbst. Nun, manchmal klappt es am besten, wenn man einfach beginnt.

Während ich am PC sitze, wirbelt unser Sohn durchs Zimmer und hinterlässt eine Spur des Chaos. Aber wie zufrieden er dabei ist! Es scheint, als sei alles ein grosses Abenteuer für ihn. So denke ich an meine letzten Abenteuer zurück und erstaunlicherweise kommt mir nicht eine unserer grossen Reisen in ferne Länder in den Sinn, sondern der letzte Freitag.

Bei wunderbarem Sonnenschein wagte ich mich zum ersten Mal in dieser Saison auf die Langlaufskis im Sparenmoos. Nichts Grossartiges und auch keine solche Leistung – aber dafür eine grandiose Landschaft und wunderbare Verhältnisse. Es ist erstaunlich wie wenig es braucht, damit man einen Hauch von Abenteuer verspürt, manchmal auch die pure Freude an der Bewegung und der Umgebung. Kein Mensch weit und breit, kein Lärm! Das eingepackte Sandwich – das Brot eher von vor-vor-gestern versteht sich – schmeckt nirgends besser und frischer als gerade da in der freien Natur. Die Zivilisation scheint weit entfernt und doch gibt es die Spur im Schnee, die einem angenehme Sicherheit vermittelt und den Weg zurück aufzeigt.

So sind solche kleinen Ausflüge manchmal mehr wert als vermeintlich grosse Abenteuer. Wir wünschen Ihnen eine wunderbare Adventszeit mit besinnlichen Momenten aber auch kleinen Abstechern in die Natur – seien es richtig grosse Abenteuer oder auch nur kleine. Und eines ist auch sicher: der anschliessende «Humpen» Panaché als Belohnung ist einfach nur köstlich!

Herzliche Grüsse

Nadja Santschi

Es grünt und blüht

Der Sommer ist in vollem Gange und ich finde, es gibt bis jetzt hier oben am Wetter nicht viel auszusetzen. Ab und zu ein «wachsigs Rägeli», viel Sonnenschein und auch vom Hagel blieben wir weitestgehend verschont. Auf den Weiden gibt es Gras in Hülle und Fülle und die Alpenblumen erfreuen jedes Älpler- und Wanderherz.

Die Tage vergehen und langsam, aber sicher hat sich alles wieder eingespielt. Alle haben sich an den Alp-Rhythmus gewöhnt. Die Schweine beispielsweise haben gelernt, dass sie bei Sonnenschein den Schatten vorziehen, damit sie keinen Sonnenbrand kriegen. Die meisten Kühe kennen jetzt ihren Platz im Stall und die Zwergziegen haben wir nun so eingezäunt, dass die Geranien heil bleiben. Auch den Muni wissen wir jetzt mit etwas «Gläck» an seinen Platz zu lotsen. Die Gespräche in der Küche drehen sich wieder mehrheitlich um «ds Finetti, wo stierig isch», um den «Bschütt-Chaschtä, wo voll isch» und täglich fragt mich Simon «hesch d’ Mutschli scho usem Salzbad gnoh?».

Jeder Alpsommer ist anders und doch bleibt einiges immer gleich. Im Winter und Frühling kann man sich schwer vorstellen, wie es sein wird, wenn alles grünt und blüht und Kühe auf der Weide stehen. Und all die Arbeit, die einen erwartet! Dann kommt der Sommer und mit ihm die Alp-Routine. Und wenn dann alles einigermassen läuft und eingerichtet ist, merkt man, dass die Hälfte der Alpzeit schon wieder fast erreicht ist. Und schon rutscht einem der ominöse Satz über die Lippen, der in der Kindheit immer den Grosseltern vorbehalten war: «Wie doch die Zeit vergeht!»

Eine wundervolle Zeit und herzliche Alp-Grüsse

Nadja


Doch, doch der Sommer kommt

Es regnet und ist nochmals kalt, doch der Frühsommer scheint jetzt tatsächlich in Aussicht. Täglich schauen wir zu, ob die Schneeflecken kleiner werden. Denn es gibt eine einfache Regel: Sobald im «Tuli» neben der Site Hütte der Schnee geschmolzen ist, können wir mit den Kühen in den Zimmerboden, die untere Hütte, zügeln. Morgen nun, kommen die Kühe und wir sind gespannt, ob der Regen nun den letzten Schnee noch aus dem Loch zu schwemmen vermag. Wie dem auch sei, irgendwann muss man entscheiden und den Viehtransporter organisieren, daher spielt es keine grosse Rolle. Oder doch? Wird das Gras reichen? Zügeln wir zu früh oder zu spät? Nun ja, wir werden es Ende Sommer wissen…

Lange habe ich keine Zeile mehr geschrieben. Obwohl eigentlich Zwischensaison war, fiel es mir schwer, mich hinzusetzen und einfach drauflos zu schreiben. Der Kopf war voll. Lange waren wir irgendwie im Winter-Modus und dann auf einmal habe ich realisiert, dass der Sommer trotz dem kühlen Wetter sehr bald starten wird! So viel habe ich mir vorgenommen… Man möchte ja perfekt bereit sein, wenn die Kühe kommen. Es ist einfach ein angenehmes Gefühl, wenn die Hütte sauber, der Papierkram erledigt und der Stall eingerichtet und bereit ist. Welch ein Glück, als unsere treuen Angestellten wieder auf der Matte standen und tatkräftig mitangepackt haben! Sei es beim Zäunen, beim Putzen oder auch beim «Bschütte».

So ist es wie immer: Ich stresse mich nur selbst. Ein bisschen mehr «lah bambele oder laisser faire» würde einem wohl manchmal auch guttun. Weil es sowieso immer ein bisschen anders kommt, als gedacht und mit Hilfe der Familie und Freunden dann doch alles prima funktioniert. Darum schalte ich jetzt den Laptop wieder aus und schaue mit Baby Lionel kurz bei den Schweinen vorbei. Sie sind ihm noch nicht ganz sympathisch…

Liebe Grüsse

Nadja Santschi