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Grosse kleine Abenteuer

Lange sind meine letzten Zeilen her und ich merke, dass es mir Mühe macht, irgendwie anzufangen. Ich weiss ja schon, was ich schreiben möchte, aber es geht nicht von selbst. Nun, manchmal klappt es am besten, wenn man einfach beginnt.

Während ich am PC sitze, wirbelt unser Sohn durchs Zimmer und hinterlässt eine Spur des Chaos. Aber wie zufrieden er dabei ist! Es scheint, als sei alles ein grosses Abenteuer für ihn. So denke ich an meine letzten Abenteuer zurück und erstaunlicherweise kommt mir nicht eine unserer grossen Reisen in ferne Länder in den Sinn, sondern der letzte Freitag.

Bei wunderbarem Sonnenschein wagte ich mich zum ersten Mal in dieser Saison auf die Langlaufskis im Sparenmoos. Nichts Grossartiges und auch keine solche Leistung – aber dafür eine grandiose Landschaft und wunderbare Verhältnisse. Es ist erstaunlich wie wenig es braucht, damit man einen Hauch von Abenteuer verspürt, manchmal auch die pure Freude an der Bewegung und der Umgebung. Kein Mensch weit und breit, kein Lärm! Das eingepackte Sandwich – das Brot eher von vor-vor-gestern versteht sich – schmeckt nirgends besser und frischer als gerade da in der freien Natur. Die Zivilisation scheint weit entfernt und doch gibt es die Spur im Schnee, die einem angenehme Sicherheit vermittelt und den Weg zurück aufzeigt.

So sind solche kleinen Ausflüge manchmal mehr wert als vermeintlich grosse Abenteuer. Wir wünschen Ihnen eine wunderbare Adventszeit mit besinnlichen Momenten aber auch kleinen Abstechern in die Natur – seien es richtig grosse Abenteuer oder auch nur kleine. Und eines ist auch sicher: der anschliessende «Humpen» Panaché als Belohnung ist einfach nur köstlich!

Herzliche Grüsse

Nadja Santschi

Es grünt und blüht

Der Sommer ist in vollem Gange und ich finde, es gibt bis jetzt hier oben am Wetter nicht viel auszusetzen. Ab und zu ein «wachsigs Rägeli», viel Sonnenschein und auch vom Hagel blieben wir weitestgehend verschont. Auf den Weiden gibt es Gras in Hülle und Fülle und die Alpenblumen erfreuen jedes Älpler- und Wanderherz.

Die Tage vergehen und langsam, aber sicher hat sich alles wieder eingespielt. Alle haben sich an den Alp-Rhythmus gewöhnt. Die Schweine beispielsweise haben gelernt, dass sie bei Sonnenschein den Schatten vorziehen, damit sie keinen Sonnenbrand kriegen. Die meisten Kühe kennen jetzt ihren Platz im Stall und die Zwergziegen haben wir nun so eingezäunt, dass die Geranien heil bleiben. Auch den Muni wissen wir jetzt mit etwas «Gläck» an seinen Platz zu lotsen. Die Gespräche in der Küche drehen sich wieder mehrheitlich um «ds Finetti, wo stierig isch», um den «Bschütt-Chaschtä, wo voll isch» und täglich fragt mich Simon «hesch d’ Mutschli scho usem Salzbad gnoh?».

Jeder Alpsommer ist anders und doch bleibt einiges immer gleich. Im Winter und Frühling kann man sich schwer vorstellen, wie es sein wird, wenn alles grünt und blüht und Kühe auf der Weide stehen. Und all die Arbeit, die einen erwartet! Dann kommt der Sommer und mit ihm die Alp-Routine. Und wenn dann alles einigermassen läuft und eingerichtet ist, merkt man, dass die Hälfte der Alpzeit schon wieder fast erreicht ist. Und schon rutscht einem der ominöse Satz über die Lippen, der in der Kindheit immer den Grosseltern vorbehalten war: «Wie doch die Zeit vergeht!»

Eine wundervolle Zeit und herzliche Alp-Grüsse

Nadja


Doch, doch der Sommer kommt

Es regnet und ist nochmals kalt, doch der Frühsommer scheint jetzt tatsächlich in Aussicht. Täglich schauen wir zu, ob die Schneeflecken kleiner werden. Denn es gibt eine einfache Regel: Sobald im «Tuli» neben der Site Hütte der Schnee geschmolzen ist, können wir mit den Kühen in den Zimmerboden, die untere Hütte, zügeln. Morgen nun, kommen die Kühe und wir sind gespannt, ob der Regen nun den letzten Schnee noch aus dem Loch zu schwemmen vermag. Wie dem auch sei, irgendwann muss man entscheiden und den Viehtransporter organisieren, daher spielt es keine grosse Rolle. Oder doch? Wird das Gras reichen? Zügeln wir zu früh oder zu spät? Nun ja, wir werden es Ende Sommer wissen…

Lange habe ich keine Zeile mehr geschrieben. Obwohl eigentlich Zwischensaison war, fiel es mir schwer, mich hinzusetzen und einfach drauflos zu schreiben. Der Kopf war voll. Lange waren wir irgendwie im Winter-Modus und dann auf einmal habe ich realisiert, dass der Sommer trotz dem kühlen Wetter sehr bald starten wird! So viel habe ich mir vorgenommen… Man möchte ja perfekt bereit sein, wenn die Kühe kommen. Es ist einfach ein angenehmes Gefühl, wenn die Hütte sauber, der Papierkram erledigt und der Stall eingerichtet und bereit ist. Welch ein Glück, als unsere treuen Angestellten wieder auf der Matte standen und tatkräftig mitangepackt haben! Sei es beim Zäunen, beim Putzen oder auch beim «Bschütte».

So ist es wie immer: Ich stresse mich nur selbst. Ein bisschen mehr «lah bambele oder laisser faire» würde einem wohl manchmal auch guttun. Weil es sowieso immer ein bisschen anders kommt, als gedacht und mit Hilfe der Familie und Freunden dann doch alles prima funktioniert. Darum schalte ich jetzt den Laptop wieder aus und schaue mit Baby Lionel kurz bei den Schweinen vorbei. Sie sind ihm noch nicht ganz sympathisch…

Liebe Grüsse

Nadja Santschi

 


Weisse Perfektion

Auch das perfektionistische Wesen hätte für einmal nichts auszusetzten an der wunderbaren, glatten, seidenweichen weissen Wand, die sich vor mir in Richtung Himmel erstreckt. Tief verschneit zeigt sich die sanfte Landschaft im Sparenmoos. Die Schatten sind bereits wieder lang und der weisse Teppich liegt unberührt und vollkommen da.

Dann plötzlich huscht ein Hase vorbei. Nicht so schnell, wie im Sommer, denn der Tiefschnee verschluckt ihn zweitweise fast. Mit der Hoppel-Spur wird die Szenerie tatsächlich noch ein bisschen kitschiger. Genauso stelle ich mir Winter vor. Aber glauben Sie mir, es geht noch besser: Wenn man sich das alles während dem Bad im warmen Hotpot ansieht!

Die Gäste haben sich alle verabschiedet. Simon kümmert sich noch ums Aufräumen und ich geniesse diesen wahren Luxus. Was braucht man mehr im Leben? Ein Gefühl von Freiheit durchflutet mich und plötzlich weiss ich es genau: Das ist einer jener Momente, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde. Fast schon höre ich mich selber sagen: "Damals, das war schön! Da waren wir noch jung und verrückt."

Doch auch der schönste Augenblick geht vorbei und nach einem kurzen Quieken und erschrockenem Einatmen geht es husch durch den Schnee wieder in die warme Hütte. War doch gar nicht so schlimm…

Eine schöne Woche und herzliche Grüsse

Nadja Santschi

 


Puste fehlt

So ist sie vorbei, die aufregende Weihnachts- und Neujahrsphase und wir sind im sogenannten Januarloch angekommen. Es ist ruhiger im Sparenmoos-Gebiet. Es bleibt Zeit für Büroarbeiten, allerlei Erledigungen, Putzen und auch wieder mal für etwas Sport. Nein, jetzt gibt es keine Ausrede mehr, die Langlaufskis selber auch wieder mal zu bewegen und nicht nur die anderen Läufer zu einer Pause zu verführen.

So starte ich heute Nachmittag ganz motiviert von der Site Hütte aus. Herrlich gespurt und wie ein weisser Teppich liegt die Loipe vor mir – eine wahre Freude! Es ist ziemlich kalt, die Luft brennt mir schon bald ein bisschen in der Lunge. Nach der ersten Steigung flacht die Motivation schon merklich ab. Wie nur konnte ich seit dem letzten Mal vergessen, dass es so unheimlich anstrengend ist?! Doch wenigstens wärmt sich mein Körper schnell auf.

Es dauert nicht lange, da verheddere ich mich mit den Stöcken und falle aus dem Rhythmus. Noch fange ich mich gut wieder auf und skate fleissig weiter bergauf. Wie immer schwöre ich mir, dass ich ab jetzt häufiger trainieren gehe. Denn eines weiss ich, mit mehr Training macht es auch mehr Spass. Auch die paar restlichen Schwangerschaftskilos begleiten mich halt, was bekanntlich nicht gerade zu einer Leistungssteigerung führt.

Wie dem auch sei - nach der ersten Abfahrt ist die Euphorie wieder gross! Ich beschliesse trotz schlechter werdenden Lichtverhältnissen, die rote Loipe «Stockbrunnen» auch noch in Angriff zu nehmen. Bald schon bereue ich es, die Puste geht mir aus. Doch Umdrehen und in der Gegenrichtung zu den Pfeilen laufen – nein – das kann ich ja wirklich nicht! So beisse ich die Zähne zusammen und fluche immer lauter, wenn die Koordination macht was sie will. Verkrampft und entmutigt erreiche ich den hintersten Punkt. Doch schon nach wenigen Metern «nidsi» fahren stellt es sich ein: das super Hoch-Gefühl!

Angekommen in der Hütte sind die Beine leer, ich aber bin zufrieden. Währenddem ich mich bei einem Punsch erhole und Simon von meinen Hochs und Tiefs erzähle, lacht mich der Nussgipfel an und ich meine zu hören wie er sagt: «Iss mich, dann bist du wieder fit!». Welch ein Trugschluss, aber ich esse ihn trotzdem!

Eine gute Zeit und herzliche Grüsse

Nadja Santschi